[ Zurück zum Schulprogramm der Grundschule Winden ]
 
 

Vorwort

 

 

(Auszüge aus: “Erziehung im Informationszeitalter“; Rede des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zur Eröffnung des Paderborner Podiums im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn am 9. Juni 1998)
 

Die Schule der Zukunft muss die Qualität des Lernens in den Mittelpunkt stellen, nicht die Quantität des Wissens.

 

Was gehört zu dieser neuen Qualität des Lernens?

 

Erstens:
Mehr als bisher geht es um die Methoden der Wissensvermittlung und -aneignung.


Schüler müssen lernen: Wie wähle ich Informationen aus, wie organisiere und beurteile ich sie, wie komme ich zu Entscheidungen und Lösungen?

 

Zweitens:
Ein solches Lernen ist zwangsläufig ein soziales Lernen.


Es schließt Methoden ein, die Arbeit zu teilen und in Diskussionen wieder zusammenzufügen. Es vermittelt, Verantwortung für eine Sache oder eine Problemlösung zu übernehmen; es lehrt anderen zu helfen und sich selbst helfen zu lassen. Es zwingt die Schüler, eigene Positionen und Ergebnisse in der Auseinandersetzung einer Gruppe durchzusetzen und zugleich zu relativieren. Und es bringt letztlich die Erkenntnis, dass Probleme und Lösungswege nicht an Fächergrenzen enden.

 

Drittens:
Die Schule sollte auch ein Ort sein, an dem Leidenschaft für die Demokratie und den Wert der Freiheit vermittelt wird.


Soziale Tugenden dürfen nicht relativiert werden, sie müssen gelehrt werden. Vertrauen in die Institutionen unserer Demokratie lässt sich weder erpredigen noch erzwingen. Die Schüler müssen schon in der Schule erfahren, dass Demokratie vom Engagement ihrer Bürger lebt, von der Bereitschaft, Verantwortungen zu übernehmen. Sie müssen spüren, dass Engagement und Gemeinsinn belohnt werden, sie müssen lernen, wie man mit Freiheit umgeht. Dafür reicht es nicht, dass man sie nur als passive Wissensrezipienten behandelt.

 

Und es lohnt sich im übrigen auch nicht, sie über das Maß ihrer Leistungen im Unklaren zu lassen.


Wer meint, Leistungsunterschiede unter den Teppich kehren zu können, um damit Lebenschancen gleichmäßiger zu verteilen, der begeht Beihilfe zum Selbstbetrug. Im Informationszeitalter werden Leistungsvergleiche übrigens selbstverständlich sein, nicht nur zwischen Menschen, sondern vor allem auch zwischen Institutionen. Davor sollten wir auch überhaupt keine Scheu haben und stattdessen endlich ehrliche Systeme der Qualitätsmessung und -sicherung entwickeln.

 

Ich habe den Eindruck, dass vielerorts ein Umdenken schon begonnen hat. Ja ich glaube sogar, dass wir im Moment an unseren Schulen einen Aufbruch von unten erleben. Es ist viel in Bewegung. Schulen, Eltern und Lehrer, die etwas verändern wollen, schließen sich zusammen. Solche Initiativen verdienen Ermutigung. Denn wir stehen erst am Anfang notwendiger Bildungsreformen. (...)

 

Wir brauchen schulische Experimente und Modelle, die in ihrer Gesamtheit den unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lerntypen unserer Kinder gerecht werden.   (...)

 

Kinder und Jugendliche werden nur dann selbstbewusst, wenn sie merken, dass sie als Individuen wahrgenommen und ernst genommen werden. Wenn sie das Gefühl haben, für andere wichtig zu sein.

 

Eines sollte jedenfalls klar sein: Über die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidet die Gegenwart unserer Kinder.

 

[ nach oben ]

[ Zurück zum Schulprogramm der Grundschule Winden ]